| Politikwissenschaft an der Saar-Uni |
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Martin Sand Saarbrücken, im April 2003 Argumente für die Politikwissenschaft als Teil des Europa – Schwerpunktes der Universität des SaarlandesDer Universitätsrat der Universität des Saarlandes hat im Jahr 2002 den Bereich „Europa“ als einen von drei profilbildenden Schwerpunkten der künftigen Entwicklung unserer Hochschule beschlossen. In diesem Papier sollen Argumente für die Einrichtung einer Professur für Politikwissenschaft als Bestandteil dieser Schwerpunktbildung dargelegt werden. In der jetzt anstehenden Frage der konkreten Ausgestaltung der Schwerpunktbildung ist der Europa – Bezug von wesentlicher Bedeutung. Dieses Feld ist im Vergleich mit den beiden anderen Schwerpunkten bislang am wenigsten in der operativen Frage – d.h. welche konkreten Ausrichtungen die grundsätzliche Strukturentscheidung zur Folge haben muss - erörtert worden. Der Europa – Bezug kann dabei einerseits als grundlegendes „Über – Thema“ interpretiert werden, andererseits kommt man nicht umhin, die Frage einer gewissen Akzentuierung in den einzelnen Fachrichtungen aufzuwerfen. Dies gilt sowohl für die inhaltliche Ausgestaltung der Studiengänge als auch für die Personal – und dabei insbesondere für die Berufungspolitik. Im vorliegenden Papier wird davon ausgegangen, dass der Europa – Bezug insbesondere für die Fakultäten 1 (Rechts- und Wirtschaftswissenschaften), 3 (Geschichts – und Kulturwissenschaften), 4 (Sprach- und Kulturwissenschaften) und in weniger starker Form auch für die Fakultät 5 von besonderer Relevanz sein wird. Zusätzlich wird zu prüfen sein, inwieweit auch die anderen Fakultäten, z.B. durch den Erhalt oder den Aufbau grenzüberschreitender Studiengänge Akzente hinsichtlich des Profils setzen können. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die vom Universitätsrat festgelegten Schwerpunkte „multiperspektivisch“ zu verstehen sind, d.h. sie bilden nicht nur das Fundament für ein bestimmtes Fächerspektrum, sondern sie stellen auch alle Fächer – also auch die nicht direkt einem profilbildenen Bereich zu zuordneten – vor die Aufgabe, bei ihrer Entwicklung zumindest im weiteren Sinn die Profilvorgabe zu berücksichtigen. Dies ist für die noch anstehenden Beratungen zu den Entwicklungsplänen der einzelnen Fächer von besonderer Bedeutung. Es ist zudem zu bedenken, ob der Europa – Bezug einen besonderen Schwerpunkt im Bereich einer Frankreich – Orientierung setzen könnte, dies würde insbesondere der geographische Lage des Saarlandes Rechnung tragen. Eine allzu enge Ausrichtung vor dem Hintergrund der Europa – Orientierung auf ein Land ist allerdings nicht wünschenswert. enn man nun eine Europa – Orientierung als an der Saar-Uni bereits vorhanden, aber dennoch ausbaufähig interpretiert, und den Blick auf die Europa – und Frankreichorientierung in den Philosophischen Fakultäten richtet, so kommt man zu dem Ergebnis, dass ähnlich – wie auch in den anderen profilbildenden Bereichen – hier zusätzliche Ressourcen erforderlich sein werden. Nach Lage der Dinge kommt insbesondere den Sprach- und Literaturwissenschaften und den historischen Wissenschaften eine Schlüsselposition bei der Ausprägung der Europa- und Frankreich – Orientierung zu. Ein modernes Angebot an europäischen Sprach – und Literaturwissenschaften ist ebenso erforderlich wie die angewandten Sprachwissenschaften, die ihrerseits aber auch einen Teil des 2. Schwerpunktes darstellen. Insofern weist die Fakultät 4 unter dem Gesichtspunkt der Profilbildung schon jetzt eine sehr nah an diese Überlegungen kommende Orientierung auf. Bei den Geschichts- und Kulturwissenschaften sollte hinsichtlich der Profilvorgabe insbesondere die historische Entwicklung Europas vom Altertum bis heute und deren wissenschaftliche Reflexion einen Schwerpunkt bilden. In beiden Fakultäten kommt dabei den – relativ „jungen“ – Studiengängen „Historisch Orientierte Kulturwissenschaften“ (HOK), „Interkulturelle Kommunikation“ (IK) und „Grenzüberschreitenden Studien“ eine außerordentlich wichtige Funktion zu, da sie in der Abbildung der Schwerpunkte unzweifelhaft eine „Vorreiterrolle“ übernommen haben. Sie müssen dabei eine besondere Aufmerksamkeit genießen. Bei der Begutachtung des Status Quo in den genannten Studiengängen wird deutlich, dass das Angebot dort weiter ausgebaut werden muss, um eine ganzheitlich orientierte Ausbildung unserer Studentinnen und Studenten zu gewährleisten. Von Seiten der Studierenden wurde so z.B. bereits mehrmals die vollständige Realisierung des HOK – Konzeptes angemahnt. Die derzeitige Situation stellt sich nun dergestalt dar, dass im Studienangebot von HOK die Bereiche „Europäische Regionalstudien“ fehlen und bei den Studiengängen „IK“ und „Grenzüberschreitende Studien“ das bislang noch vorhandene politikwissenschaftliche Lehrangebot auf Grund des 1998 beschlossenen Auslaufen des eigenständigen Faches Poltikwissenschaft immer kleiner geworden und sein endgültiges Ende abzusehen ist. Zugleich wächst bei den Studierenden von HOK das Interesse, politikwissenschaftliche Veranstaltungen zu besuchen. (vgl. AStA-Magazin der UdS „Champus“, Ausgabe Februar 2003, S. 11) Bei der Diskussion um die Aufgabe der Studiengänge Sozialkunde (Lehramt) und des Magister – Studiums Politikwissenschaft im Jahr 1998 war die bestehende Praxis der „Service – Leistung“ der Politikwissenschaft für die genannten Studiengänge nicht weiter verfolgt worden. Durch das nun nahende absehbare Auslaufen der Personalisierung ist die Situation sehr schwierig geworden, und es stellt sich die Frage, ob die grundsätzliche Entscheidung des Universitätsrates für den Europa – Bezug einerseits und die praktischen Probleme der betroffenen Studierenden andererseits nicht eine gewisse Korrektur der damaligen Entscheidung unausweichlich machen. Dabei ist festzustellen, dass es hierbei nicht um eine Wiederbelebung der Politikwissenschaft in ihrer Form bis 1998 geht sondern um ein neues m. E. im Sinne der Profilbildung fast alternativloses Konzept. Wie bereits dargestellt – fehlt in der Geschichte eine entsprechendes politikwissenschaftliches Angebot, das eine Art „Umklammerung“ des Europa- und Frankreichschwerpunktes zwischen den verschiedenen Fakultäten darstellen kann. Ohne ein politikwissenschaftliches Lehrangebot erscheint die Europa – Orientierung zu sehr historisch ausgeprägt, was eine gewisse „Unvollständigkeit“ nicht nur für betroffenen Studiengänge darstellen sondern auch dem System der Profilbildung nicht logisch folgen würde. Für die Realisierung der Europa – Orientierung an der Universität des Saarlandes ist daher ein zusätzlicher Lehrstuhl für das Fach Politikwissenschaft erforderlich. Die Widmung müsste dabei ein klares Profil in europäischer Politik und internationalen Beziehungen haben. Wünschenswert wäre darüber hinaus eine gewisse Akzentuierung im politischen System Frankreichs. Die Einbettung des Lehrstuhls sollte in der Fachrichtung Geschichte erfolgen, eine entsprechende Abstimmung der Widmungen mit dem, was bereits in der Fachrichtung an Widmungen vorhanden ist, ist erforderlich, d. h. dass insbesondere eine inhaltliche Ergänzung zur neueren und neuesten Geschichte gewährleistet sein müsste. Das Studienangebot des Lehrstuhlinhabers oder der Lehrstuhlinhaberin und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtet sich dabei an die Studierenden der genannten interdisziplinären Studiengänge. Entsprechende Regelungen in den Studien- und Prüfungsordnungen sind zu treffen. Wünschenswert ist darüber hinaus eine Kooperation mit den am Europa/Frankreich – Schwerpunkt beteiligten Studiengängen in der Fakultät 1 sowie die Gewährleistung von Veranstaltungen im Rahmen des Wahlangebotes der Erziehungswissenschaften für Lehramt-Studierende. Der Lehrstuhl sollte mit der Gruppierung „C 3“ – eingerichtet werden. Eine entsprechende Ausstattung muss gewährleistet werden; der Lehrstuhl kann überdies Promotionen und Habilitationen betreuen, so dass eine gewisse jeweils befristete Erweiterung des Lehrpersonals vorstellbar und neben der Lehrtätigkeit auch eine angemessene Forschungsarbeit realisierbar ist. Die Kapazität eines Lehrstuhls ist im Hinblick auf die Studierendenzahlen in den beteiligten Studiengängen ausreichend. Für die Realisierung des Europa/Frankreichbezugs ist überdies die Freigabe der im Strukturplan von 1998 vorgesehenen Professur für „Europäische Regionalstudien“ dringend erforderlich. Gerade auch gemeinsam mit der Politikwissenschaft rundet sie das Angebot für die genannten Studienangebote im Schwerpunkt – Bereich ab. Ein Lehrstuhl für Europäische Regionalstudien wird die sowohl für die politische als auch kulturhistorisch wesentliche Behandlung regionaler Geschichte in verschiedenen Teilen Europas ermöglichen. Einen Schwerpunkt müssen die Regionen im Grenzbereich zwischen verschiedenen Staaten bilden. Von beispielhafter Bedeutung kann die Saar – Lor –Lux – Region sein, die als Gegenstand von Forschung und Lehre in ihrer wechselvollen Geschichte geradezu „vor der Tür“ liegt. Der Bereich der „Europäischen Regionalstudien“ stellt somit eine ideale Ergänzung insbesondere für die Historisch Orientierten Kulturwissenschaften dar. Er dient darüber hinaus der Behandlung der regionalen Geschichte in unserer Gegend und fördert damit die Verankerung der Universität im Saarland und ihre grenzüberschreitenden Aktivitäten. |
