Ein Virus geht um in Europa… das Coronavirus. Seit ca. 3 Wochen ist unser Leben nicht mehr wie zuvor. Der Grund hierfür heißt Corona. Ich lief heute durch meine Stadt und habe sie fast nicht mehr wiedererkannt. Menschenleere Plätze, das Saar Ufer, eigentlich der Mittelpunkt der Stadt verwaist, die Stammkneipe am Eck zu. Hinzu kommt Homeoffice und für viele Menschen eine Doppelbelastung mit Pflege oder Kinderbetreuung. Zum Glück kann man sagen wir haben die Gefährlichkeit der Situation erkannt und die Leute halten sich an den staatlich verordneten Hausarrest. So weit, so sinnvoll, könnte man denken. Jedoch mischt sich seit Tagen ein neues Problem hinzu: die Vernunftpanik, so hat der Kolumnist Sascha Lobo dieses Phänomen zumindest bezeichnet. Menschen gehen nicht nur körperlich, sondern auch emotional auf Abstand. Teils aus Angst, teils aus persönlicher Ohnmacht mit der derzeitigen Situation umzugehen. Dieses gesellschaftliche Klima, verbunden mit teilweise schlichtweg sinnlosen Teilen der Allgemeinverfügung und Verordnungen schaffen eine Gesellschaft der Unsicherheit und des Misstrauens. So streiten sich seit Tagen die Menschen mit der Polizei darüber, ob das Sitzen auf einer Parkbank ein „triftiger Grund“ ist das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Wem schade ich denn, wenn ich mich alleine auf eine Parkbank setze, um dort in Ruhe ein Buch zu lesen? Anderes Beispiel: die Organisation

„Seebrücke“ hat am Wochenende in verschiedenen Städten Aktionen organisiert um auf die menschenverachtende Situation in den Lagern an der türkisch-griechischen Grenze aufmerksam zu machen. Unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen haben sich die Organisator*innen kreative Protestformen organisiert, um in Zeiten der Schlagbaumpolitik die Regierungen dazu zu zwingen auch mal über ihren nationalen Tellerrand hinauszusehen. Was passiert? Veranstaltungen werden aufgelöst, Banner und Transparente entfernt und die Organisator*innen mit Bußgeldern belegt. So sieht also politischer Aktivismus in Zeiten von Corona aus? Wäre ich mir nicht sicher, dass unsere Verfassung Krisensituationen überleben wird, könnte man sich schon so seine Fragen stellen. Apropos Schlagbaummentalität: In einer Region wie dem Saarland, die durch seine Geschichte nicht europäischer sein könnte, flieht sich die Regierung und vorne weg ihr Innenminister Klaus Boullion in das Nationale. Kaum wird unsere französische Nachbarregion vom Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet erklärt, stehen schon Polizist*innen an der Goldenen Bremm1 und kontrollieren einreisende Fahrzeuge mit französischem Kennzeichen. So schnell konnte Bundesinnenminister Seehofer nicht schauen, hat das Saarland schon Fakten geschaffen. Die Einreise wurde erschwert und Franzos*innen wurden für 2 Wochen aus Schulen, Universitäten und Fabriken verbannt. Man könnte meinen das Virus existiere nur in Frankreich und Saarländer*innen müssen unter allen Umständen geschützt werden. Jetzt, als es auch hier im Saarland bereits ca. 2000 Fälle der Krankheit Covid 19 gibt, bleiben die Grenzen immer noch zu. Ignoriert wird hierbei der Fakt, dass der Hotspot der Corona Ausbreitung in der Region Grand-Est sich im Elsass befindet, ca. 200 Kilometer entfernt und hüben wie drüben der Grenze es Infizierte gibt. Dass Innenminister Horst Seehofer nicht genau Bescheid über die französische Verwaltungsgliederung weiß ist traurig, jedoch verzeihlich. Dass der Innenminister des Saarlandes immer noch an dieser Entscheidung festhält und sich diese Tage sehr gerne mit Polizist*innen und an geschlossenen Grenzübergängen zeigt, macht einfach nur sprachlos.

Hier und heute ist keine Zeit Menschen gegeneinander auszuspielen, sei es diese erlendige Diskussion zwischen Jung und Alt oder eben auch zwischen „Deutschen“ und „Franzosen“. Das Klima ist vergiftet und das nicht nur, aber unter anderem auch, wegen dieser Schlagbaummentalität. Fahrer*innen von Fahrzeugen mit französischem Kennzeichen werden beschimpft und teilweise sogar angegriffen. Hoffnung macht in solchen Tagen ein Banner, welches an der Freundschaftsbrücke zwischen Kleinblittersdorf und dem französischen Grosbliderstroff hing. Dort haben jugendliche ein Banner mit der Aufschrift: „La sarre ou lalorraine – Aidez vous les uns et les autres et restez fort!“ auf Deutsch soviel wie: „Ob Saarland oder Lothringen – Helft einander und bleibt stark!“. Da kann man nur hoffen, dass der Großteil der Bevölkerung es schafft nach Corona dort weiter zu machen, wo wir vor Corona aufgehört haben. Grenzen nutzen keinem von uns etwas. Insgesamt scheint es so, dass die Rettung ins nationale der Rettung letzter Schluss ist. Von der europäischen Union und vorneweg der Kommissionspräsidentin ist momentan herzlich wenig zu hören. In mindestens 3 Mitgliedsstaaten ist das Gesundheitssystem kollabiert und ein Staat wurde im Vorbeigehen zu einer Diktatur und von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kommt ein Video, wie man sich richtig die Hände wäscht. Aber wie sollen sich die Flüchtlinge in den Camps die Hände waschen, wenn ihnen das Wasser abgestellt wird? Wäre die Situation nicht so ernst, könnte man schon wieder darüber schmunzeln. Das Verhalten der EU ist momentan grob fahrlässig und wir sollten panisch darauf achten, dass uns der Laden nicht noch komplett um die Ohren fliegt. Oder um es mit den Worten des Saarbrücker Liedermachers Manuell Sattler zu sagen. „Europa, du warst in der Welt mol e Licht!“

Was lässt sich also feststellen? Nicht nur ein Virus geht um in Europa, sondern mehrere. Das Coronavirus, das Virus des Nationalismus und das Virus der Angst. Für das Coronavirus wird es hoffentlich irgendwann einen Impfstoff geben, aber wie sieht es mit den anderen beiden aus?

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